Der gefährlichste Wanderweg der Welt

Obwohl nahe­zu jeder Wanderweg aus einer Vielzahl von Gründen gefähr­li­ch sein kann, hat es beson­ders die­ser Gebirgspfad auf sich. Die Rede ist vom Hua Shan, einer der fünf hei­li­gen Berge des chi­ne­si­schen Daoismus. Geprägt vom Aufstieg über in den kah­len Fels geschla­ge­ne Stufen und eine steil fal­len­de Felswand, die durch zusam­men­ge­zim­mer­te Holzbretter über­wun­den wird, erwar­tet jeden wage­mu­ti­gen Wanderer nicht nur ein auf 2.101 m Höhe gele­ge­nes Teehaus, son­dern vor allem eine atem­be­rau­ben­de Aussicht.

Breit gefä­cher­te Kletterausrüstung wird nicht benö­tigt, man muss also kein erfah­re­ner Bergsteiger sein. Vielmehr lässt sich der Aufstieg als Bergwandern bezeich­nen, wobei eine gute kör­per­li­che Verfassung Voraussetzung ist.

Offizielle Statistiken über Todesfälle gibt es nicht – was womög­li­ch auch mit der star­ken Einschränkung der Pressefreiheit zusam­men­hängt – es wird jedoch von jähr­li­ch 100 Menschen gespro­chen, die dort ihr Leben las­sen. An der Wahrheit die­ser ver­brei­te­ten Statistik muss jedoch stark gezwei­felt wer­den.

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Der nächt­li­ch beleuch­te­tet Trommelturm in Xi’an (Foto: mmuenzl/Shutterstock.com)

Die Tour beginnt in der 4-Millionen-Einwohnerstadt Xi’an. Vom Hauptbahnhof aus fah­ren Busse direkt zum Eingang. Der Eintritt kos­tet umge­rech­net rund 8 Euro, eine Seilbahnfahrt eben­falls 8 Euro (in eine Richtung). Wer den Berg lie­ber zu Fuß erklim­men möch­te, der soll­te 4–5 Stunden ein­kal­ku­lie­ren.

Bereits der ers­te Teil des Aufstiegs zum Gipfel hat es auf sich. Dieser erfor­dert zwar Ausdauer, ist aber noch rela­tiv sicher. Inmitten der wun­der­schö­nen Natur kön­nen die­se Sorgen jedoch recht gut unter­gra­ben wer­den. Nicht umson­st wird er als "Heavenly Stairs" bezeich­net.

Hua Shan Aufstieg
Insgesamt fast 4.000 Stufen füh­ren zum Gipfel (Foto: Uptall/Dreamstime.com)

Nachfolgend kommt der "Dark Dragon Ridge" als nächs­ter Teil des Aufstiegs. Der Anstieg ist noch stei­ler, die 530 Stufen kön­nen bei schlech­tem Wetter schnell zum Verhängnis wer­den.

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Auch bei schlech­tem Wetter wird der Gipfel erklom­men (Hua Shan – Path 1 von tefl Search unter CC BY 2.0)

Nach der Bewältigung wird der als "Jinsud Pass" bezeich­ne­te Bergkamm erreicht. Von hier aus steht es jedem offen, es ent­we­der bei dem gut zu bewäl­ti­gen­den und ein­fa­chen Weg zum Westgipfel zu belas­sen oder aber nach einer Seilbahnfahrt den gefähr­li­chen Pfad, der zur Südspitze führt, zu erklim­men.

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Der schma­le Bergkamm (Foto: pavel dudek/Shutterstock.com)
mount hua shan china 2011 von chensiyuan unter CC BY-SA 4.0
Auch der Nordgipfel bie­tet eine atem­be­rau­ben­de Aussicht (mount hua shan chi­na 2011 von chen­siyuan unter CC BY-SA 4.0)

Wer sich für den Südgipfel des Hua Shan ent­schei­det, wird es jedoch nicht so kom­for­ta­bel haben.

Nach der Gondelfahrt führt ein immer schma­ler wer­den­der Fußweg zur steil abfal­len­den Felswand. Dieser Teil der Route nennt sich "Changkong Zhandao". Einheimische haben dort lan­ge Nägel in den Fels gehau­en und nicht ein­mal einen hal­ben Meter brei­te Holzbretter befes­tigt. Lediglich eine Kette und gespann­te Seile die­nen zur Unterstützung, wel­che vie­le Menschen mit ihrer Klettersteig-Ausrüstung nut­zen. Es gibt jedoch auch eini­ge wage­mu­ti­ge, eher todes­mu­ti­ge Besucher, die die­sen Pfad kom­plett ohne Absicherung bestrei­ten.

Das letz­te Stück führt gar die Felswand hoch, in wel­che ein­fa­che Löcher gemei­ßelt wur­den, in denen die Füße ver­an­kert wer­den.

Was die­sen Weg umso gefähr­li­cher macht ist der Verkehr in BEIDE Richtungen. Regen und star­ker Wind kön­nen die Bedingungen noch wei­ter erschwe­ren, nicht zu erwäh­nen die vie­len Touristen, die den Südgipfel ohne fes­tes Schuhwerk und war­me Kleidung erklim­men.

Der-gefaehrliche-Aufstieg-zum-Suedgipfel
Foto: flocu/Shutterstock

Diejenigen, die die schma­len Planken hin­ter sich gelas­sen haben, wer­den auf dem Südgipfel mit einem atem­be­rau­ben­den Blick auf die umlie­gen­den Berge sowie den Gelben Fluss belohnt. Nicht umson­st wird die­ser Abschnitt auch als "Stairway to Heaven" bezeich­net. Auf dem Gipfel ange­kom­men lässt sich, wer dazu in der Lage ist, in dem süd­li­chen der vie­len tao­is­ti­schen Tempel auf den Bergen ein Tee zu sich neh­men.

Zu guter Letzt noch ein paar beweg­te Bilder von die­sem höchst aben­teu­er­li­chen Unterfangen..

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